Kerstin Westphal: Datenkrake PKW - Wem gehören die Daten aus meinem Auto?

Verkehr auf der Autobahn, Foto: Pixabay

06. Dezember 2018

In modernen PKWs wird immer mehr Elektronik verbaut. Dutzende Sensoren sammeln Daten zum Fahrzeugzustand, zur Reichweite, Temperatur oder zur GPS-Position. Diese Daten werden – wenn der Halter zustimmt – an die Automobilhersteller geschickt. Zum Wohle der Besitzer, so versprechen es zumindest die Hersteller. Daten- und Verbraucherschützer sind jedoch alarmiert. Und auch die EU-Kommission wird von verschiedenen Interessensvertretern zum Handeln aufgefordert, denn noch ist nicht hinreichend geklärt, wem die Daten aus dem Auto gehören.

„Diese Datensammelei ist nicht immer zum Wohle der PKW-Besitzer“, mahnt die Europaabgeordnete Kerstin Westphal. Die vom Fahrzeug gesammelten Daten erlauben auch Rückschlüsse auf die Fahrweise, auch wenn die Fahrzeughersteller immer wieder betonen, sie würden keine Benutzer- oder Bewegungsprofile erstellen. Theoretisch wäre das aber machbar, räumen Unternehmenssprecher ein.

„Die Automobil-Industrie hat in der Vergangenheit viel Kredit verspielt, in puncto Datensicherheit gibt es hier die Möglichkeit, verlorenes Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen“, appelliert Westphal an die Autobauer.

Fahrzeughalter wollen Transparenz

Westphal, Mitglied im Ausschuss für Verbraucherschutz des Europäischen Parlaments, und Autofahrerverbände argumentieren, entscheidend sei hier Transparenz. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten aktiv zustimmen, ob und welche Daten er zu Verfügung stellt und man sollte die Verbindung einfach kappen können. „Es muss möglich sein, dass ich selbst bestimme an wen ich die Daten sende - oder eben nicht“, fordert Westphal.

Natürlich gibt es auch sinnvolle Anwendungen, die Datenübertragung des Fahrzeugs rechtfertigen. Hier nennt Westphal etwa eCall, das automatische Notrufsystem, das seit April für alle Neuwagen in der EU verpflichtend ist. Auch für aktuelle Gefahrenmeldungen in Echtzeit (Geisterfahrer) oder Staumeldungen ist die Übertragung der geografischen Position sinnvoll.

„Es muss so schnell wie möglich geklärt werden, welche Daten genau erhoben werde, was mit ihnen passiert und wem sie überhaupt gehören! Daher fordern wir die Kommission auf zügig zu handeln“, so Westphal. „Autofahrerinnen und –fahrer wollten volle Kontrolle über ihr Fahrzeug. Das muss auch für vom Auto erstellte Daten gelten.“

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