Kerstin Westphal: Frauenquote ist ein Konjunkturprogramm

11. Januar 2018

von Kerstin Westphal

Die Quote bringt mehr Frauen in Aufsichtsräte, titelt heute die Süddeutsche Zeitung. Dass die 2016 eingeführte Frauenquote wirkt, bestätigt auch eine neue Studie des Deutschen Wirtschaftsinstituts. Die Quote ist eine Erfolgsgeschichte.

Allerdings sind Vorstandsgremien immer noch Männersache. Wenn freiwillige Zielsetzungen keine Ergebnisse bringen, dann brauchen wir auch eine politische Lösung. Der Erfolg der verpflichtenden Frauenquote für Aufsichtsräte börsennotierter und voll mitbestimmungspflichtiger Unternehmen, gibt uns Recht: Rund 70 Prozent der Unternehmen, die sich selbst eine freiwillige Zielgröße für Frauen im Vorstand verschrieben haben, gaben „null Frauen“ an. Wo es keine verpflichtende Quote gibt, passiert nichts!

Frauen stützen die Wirtschaft, sie sind kein Hemmschuh für Kreativität, Innovation und Fortschritt. Ganz im Gegenteil: Unternehmen mit einem ausgewogenen Anteil von Frauen und Männern machen höhere Gewinne und sind krisenfester. Die Quote ist ein Konjunkturprogramm.

Mehr weibliche Führungskräfte

Neben einer politischen Lösung braucht es aber auch ein Umdenken bei den Unternehmen selbst. Um mehr Frauen auch in die Vorstandsebenen zu bringen, braucht es generell mehr weibliche Führungskräfte, oder „Konzernfrauen“, wie sie Henriette Rossbach in ihrem SZ-Kommentar nennt.

Auch die immer noch ungleich verteilte Familienarbeit sorgt für Schieflage bei der Frauenquote: Noch immer sind es die Frauen, die hier den Großteil der Erziehungs- und Hausarbeit stemmen. Noch immer sind es vor allem Frauen, die Teilzeit arbeiten, um die Kinder zu betreuen.

Um diese Nuss zu knacken, braucht es also auch ein Rückkehrrecht in einen Vollzeitjob, wie wir als Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen und viele andere Frauenverbände - oder auch der DGB - sie schon lange fordern. Wir brauchen begleitend zur Quote die Einführung der Familienarbeitszeit, damit Familie nicht zum Karrierekiller wird.

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