Kerstin Westphal: Friedensnobelpreis für den Einsatz gegen Gewalt an Frauen

Nadia Murad

09. Oktober 2018

Der Gynäkologe Denis Mukwege und die Aktivistin Nadia Murad (links im Bild) wurden gemeinsam für ihr mutiges Engagement gegen sexuelle Gewalt an Frauen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Mit den beiden Preisträgern wurden zwei Menschen geehrt, die das Europäische Parlament bereits 2016 bzw. 2014 für ihr Engagement gewürdigt hat.

„Beide Preisträger haben vielfältige Zeichen gesetzt, dass weibliche Körper kein Schlachtfeld sein dürfen und sexuelle Gewalt an Frauen kein Mittel zur Kriegsführung. Mukwege und Murad haben mich bei ihren Ehrungen im Plenum tief beeindruckt. Ich freue mich sehr, dass die beiden nun für ihren mutigen Einsatz mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden“, betont Kerstin Westphal, EU-Abgeordnete aus Schweinfurt (SPD).

„Massenvergewaltigungen und Ausbeutung von Frauen als Sexsklavinnen werden von vielen Konfliktparteien auf verschiedenen Kriegsschauplätzen als Waffe eingesetzt. Nadia Murad hat das am eigenen Leib erfahren, als sie der IS verschleppte und missbrauchte. Dass ihr Leid und ihr Mut, darüber zu sprechen und den vielen namenlosen Opfern eine Stimme zu geben, jetzt mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, ist ein klares Signal: Gewalt gegen Frauen muss auf die politische Agenda. Wir müssen darüber reden, es darf kein Tabuthema sein“, so Westphal, die auch Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischen Frauen (AsF) in Schweinfurt und Kitzingen ist. Sexuelle Ausbeutung und Menschenhandel sind auch in Europa und Deutschland ein Problem, berichtet Westphal.

Nadia Murad
Die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad während ihres Besuchs im Plenum des Europaparlaments 2016. Foto: EU, EP 2016

Staatsregierung ignoriert Situation der Frauenhäuser

Die unterfränkische EU-Politikerin wird in diesem Zusammenhang nicht müde, auf die notleidende Situation der bayerischen Frauenhäuser hinzuweisen, in denen Opfer von häuslicher und sexueller Gewalt Hilfe suchen müssen. „Die bayerische Staatsregierung weiß genau, dass es viel zu wenige Plätze in den bayerischen Frauenhäusern gibt. Aber sie ignoriert diesen Umstand seit Jahren und lässt die betroffenen Frauen im Stich“, kritisiert Westphal.

Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Mukwege und Murad bestätigt Westphal in ihrer Meinung, dass man Gewalt gegen Frauen nicht wegleugnen darf. „Beide Friedensnobelpreisträger sind auf drastischste Weise mit Gewalt gegen Frauen konfrontiert. Beide mahnen uns, Gewalt gegen Frauen zu benennen, nicht wegzuschauen und zu bekämpfen“, unterstreicht Westphal.

Denis Mukwege
Denis Mukwege bei der Verleihung des Sacharow-Preises im Europaparlament mit dem damaligen EP-Präsidenten Martin Schulz, 2014. Foto: EU, EP 2014

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