Kerstin Westphal: Gemeinsam mehr erreichen - Besuch im St. Josefs-Stift

Kerstin Westphal, MdEP

15. Mai 2019

von Melissa Hager

Es war ein großes Hallo und freudiges Wiedersehen für die einen, eine ganz besondere Gelegenheit für die anderen: Die Europaabgeordnete Kerstin Westphal war der Einladung der Robert-Kümmert-Akademie ins Eisinger St. Josefs-Stift gefolgt. Dort, wo sie vor ihrer politischen Karriere rund 20 Jahre lang als Erzieherin gearbeitet hatte, sprach sie jetzt über ihre Arbeit im Europaparlament.

Zunächst einmal ging es darum, Europa greifbar zu machen: Dazu zeigte Westphal den BewohnerInnen, Mitarbeitenden und ehemaligen KollegInnen alltägliche Berührungspunkte mit der EU: Offene Grenzen bei der Fahrt in den Urlaub, keine Roaming-Gebühren beim Telefonieren im europäischen Ausland und das Bildungsprogramm Erasmus+, das den Austausch mit anderen EU-Ländern ermöglicht.

Die wichtigste Errungenschaft der EU sei jedoch der Frieden, der nun schon 70 Jahre andauere. „Die Staaten der EU leben in Frieden miteinander, das ist das höchste Gut“, so Westphal. „Wir sind nicht immer einer Meinung, aber wir sind eine große Gemeinschaft, die gemeinsam mehr erreichen kann, als jeder für sich alleine.“ Das Wahlrecht zur Europawahl gilt endlich auch für Menschen mit Behinderung. „Die Entscheidung ist richtig und wir haben uns dafür stark gemacht", so Westphal.

Anschließend stand die SPD-Politikerin den Fragen der Bewohner*innen Rede und Antwort. Vor allem die Themen Klimaschutz, Migration und der Arbeitsalltag einer Europaabgeordneten – inklusive kritischer Nachfragen zur Anwesenheit im Parlament und dem damit verbundenen Sitzungsgeld – bewegten die rund 35 Anwesenden.

Zu guter Letzt brannte besonders eine Frage unter den Nägeln. Warum ist Westphal Politikerin geworden und nicht als Erzieherin im St. Josefs-Stift geblieben? „Ich war immer schon politisch, sogar noch bevor ich hier gearbeitet habe“, antwortet sie mit einem Lächeln. In ihrer Jugend habe sie mit anderen Jugendlichen für einen Raum gekämpft, in dem sich auch junge Menschen politisch engagieren können.

Im St. Josefs-Stift war sie wenige Jahre später in der Mitarbeitervertretung aktiv und habe auch hier viel bewegt. „So habe ich früh gelernt, was Zusammenhalt bedeutet und, dass es gemeinsam besser geht.“ Froh sei sie deshalb, dass das Wahlrecht zur Europawahl endlich auch für Menschen mit Behinderung gelte. „Die Entscheidung ist richtig und wir haben uns dafür stark gemacht.“

Sollte Westphal selbst wieder ins Europaparlament gewählt werden, versprach sie, die TeilnehmerInnen zu einem Besuch ins Europäische Parlament in Straßburg einzuladen. Dass das keine leeren Worte sind, hat sie bereits im Jahr April 2016 bewiesen. Schon damals besuchte eine politikinteressierte 15-köpfige Reisegruppe die Europaabgeordnete in Straßburg.

Textabdruck mit freundlicher Genehmigung des St. Joseph-Stifts, Eisingen.